Mitgefühl wird in der Gesellschaft immer mehr zur Mangelware

Mitgefühl – Mangelware in verrohter Gesellschaft

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Steuern wir in eine emotionslose Gesellschaft?

Unzählige Dinge im Leben verwundern mich. Am meisten ist es die Erkenntnis, dass sich viele am liebsten selbst die Nächsten sind. Mitgefühl unter den Menschen wird scheinbar immer weniger. Zumindest ist das meine Wahrnehmung.

Viele Jahre schon übe ich ein Ehrenamt aus. Ohne jegliche finanzielle Absicht aber mit einer enormen Einsatzbereitschaft. Häufig fragte man mich schon, warum ich das mache. Ich hätte doch nichts davon. Dumme Fragen bedürfen meiner Ansicht nach keiner Antwort – auch, wenn viele eher der Ansicht sind, es gäbe keine dummen Fragen. Doch diese Frage, warum ich das mache, ist für mich eine dumme. Weil ich der Überzeugung bin, dass Hilfsbereitschaft, Mitgefühl und Anteilnahme wertvoll sind und Menschen sie bewahren müssen.

Mitgefühl – von Vorbildern lernbar

Es hilft nichts, gesellschaftliche Missstände nur anzusprechen. Man muss Besseres vorleben, um wirklich etwas bewegen zu können. So spiegeln sich meine Eindrücke der aktuellen Gesellschaft auch in der Erziehung wieder.

Die Kids kennen es nicht anders von mir, als dass ich mich auch um andere Menschen kümmere, wenn sie Hilfe, Beistand und Mitgefühl brauchen. Mitgefühl ist die Vorraussetzung, selbstlos zu helfen, wo es nötig ist. Nicht mit Worten, sondern mit Taten unterstütze ich, wenn es in meinen Möglichkeiten steht. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Dieses einfache Grundprinzip lebe ich meinen Kindern vor und deshalb freue ich mich, dass meine Kids nicht emotionslos vor der Glotze, Computer zu digitalisierten stupiden Mitläufern heranwachsen, sondern draußen spielen, im Sport aktiv sind und ihre Hilfsbereitschaft nicht darin besteht, für Gefälligkeiten die Hand aufzuhalten.

Ich könnte viele Beispiele nennen. Sei es, dass die Kids alten Omis die Taschen und Tüten nach hause tragen oder in der Nachbarschaft den Kehrdienst verrichten oder mir erzählen, wenn eine alte Dame über ihre knappe Rente oder über eine Krankheit klagt.

Dass meine Kinder über solche Dinge nachdenken und mit mir darüber reden, erfreut mich und macht mich stolz. Unlängst gab es ein mich sehr bewegendes Ereignis, wie selbstverständlich für die Kids Mitgefühl ist.

Mitgefühl in der Gesellschaft
Mitgefühl in der Gesellschaft

Eine tote Taube und böse Raben

Vor einigen Tagen kehrte eins der Kids vom Spielplatz zurück und sagte mir, dass auf der Wiese eine tote Taube läge. „Böse“ Raben hätten ihr ein Auge ausgepickt. Mein Kind fragte:

Mama, soll ich dir mal ein Foto davon machen? Dann weinst du genauso, wie ich!

Als Mutter bewegt das sehr, weil man sein Kind so lange wie möglich in Watte packen und vor schrecklichen Bildern und Erlebnissen bewahren will. Eltern können solche Situationen nicht verhindern – aber sie können ihre Kinder auffangen und richtig mit Ereignissen umgehen.

Ich tröstete mein Kind, das am liebsten direkt wieder nach draußen gestürmt wäre, um den toten Vogel zu begraben. Es kostete Mühe, dem Kind zu erklären, warum es die tote Taube der Natur überlassen sollte und es war nicht einfach, dem Kind zu erklären, dass die Raben nicht böse sind, wenn sie dem Gesetz der Natur folgten, aber ich sein Mitgefühl verstehe.

Wir versuchten gemeinsam, das einschneidende Erlebnis für mein Kind aufzuarbeiten. Dazu gehörte für das Kind auch, ein Foto der Taube zu machen, damit sie nicht vergessen wird. Wir malten zusammen ein Bild. So, wie wir das für unsere verstorbenen Haustiere auch immer tun, bevor wir es begraben. Das kleine Gemälde mit Grüßen an unsere Regenbogentiere legten wir neben die Taube, um die sich die Natur kümmern wird. Mein Kind war beruhigt und hatte Zuversicht, dass der Vogel schon bald in das Regenbogenland kommt, wo es mit allen anderen toten Tieren ohne Schmerzen leben kann.

Ich bin überzeugt: Jenes Mitgefühl meines Kindes ist es, was dazu beiträgt, dass es als erwachsener Mensch nicht wegschauen und nicht zum stummen Mittäter wird, weil es sich lieber Brot & Spielen hingibt, als sich für eine gute und gerechte Sache einzusetzen.

Von der Gesellschaft wünsche ich mir mehr Hilfsbereitschaft, mehr kritisches Denken und mehr Selbstlosigkeit, ohne sich aufzugeben – ein gesunder Egoismus ist notwendig und nicht verwerflich. Wegschauen und Abstumpfen allerdings führen zu einer Gesellschaft ohne Gewissen und ohne Mitgefühl.

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